2. Newsletter Januar

LIebe Alfans
am 11.1. fand ALFA die 53. geringelnatzte statt.
Auf unserer Webseite http://alfacultura.com/alfa-de/archives/1071 finden Sie  Näheres darüber.

Heute möchte ich Ihnen warm ans Herz legen, zwischen dem 14.-21.1. ins Kino zu gehen:
Am Donnerstag, 14.1. ist nämlich die Portugalpremiere des in Cannes preisgekrönten DEUTSCHSPRACHIGEN Films  DAS Weisse BAND von Michael Hanecke.
Da es sich um einen qualitativ anspruchsvollen Film handelt, kann man leider davon ausgehen, dass er nach einer Woche wieder abgesetzt wird. Daher: Stürmen Sie die Kinos. Er wird sicher sowohl in Faro, Algarve Shopping als auch Portimao gezeigt werden. Deutsch mit Portugiesischen Untertiteln.
Im Radio wird sogar dafür geworben.

Apropos Film, so findet der nächste ALFA-Film am 26.1. statt, wie immer um 19.30 h im Auditorio Municipal von Lagoa. Titel: 2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß. Eine beeindruckende Dokumentation:
Schmerzhafte Familienforschung: Malte Ludins Doku über seinen Vater
Wenn man in der Nachkriegszeit aufwuchs, in der ersten, zweiten, dritten Generation im Täterland nach Auschwitz, wurde die Familie oft zu einem sonderbaren Ort des Aufhebens der faschistischen Vergangenheit. Da gab es Bekenntnisse der Schuld und schiere Lüge, Umdeutungen und Übertünchungen, es gab einen Mythenschein um die Überlebenden und mehr noch die Toten aus den Reihen der Täter. Und nicht selten baute sich ein Familienroman auf einer solchen Lebens- und Geschichtslüge auf. Spätestens jetzt, wo uns der Faschismus als Unterhaltung und Faszinosum, als Metapher und Geschichte serviert wird, wo ein frivoles Spiel mit “Tabuverletzungen” gespielt wird und die Erinnerung an die Techniken und die Milieus der Verdrängung und Bearbeitung in den Familien der Nachkriegsgesellschaft verschwindet, wo endlich aus Verdrängung Gleichgültigkeit zu werden droht, ist es wohl angeraten, sich einer Prüfung wie diesem Film von Malte Ludin zu unterziehen, auch wenn es schmerzt, auch wenn keine Sicherheit hinter Kunst und historisierendem Dokument zu finden ist.
Die Leerstelle der Schuld, die es in Ludins Familie zu füllen und zu bearbeiten galt, ist freilich nicht ein beliebiger Mitläufer. Hanns Elard Ludin war ein hundertprozentiger Nationalsozialist und SA-Führer, ein ehrgeiziger und skrupelloser Funktionär des Hitler-Staates, der als Bevollmächtigter Minister des “Großdeutschen Reiches” für Verfolgung und Mord verantwortlich war und am 9. Dezember 1947 in Bratislava als Kriegsverbrecher hingerichtet wurde. Und da ist dieser andere Hanns Elard Ludin, ein family man und Lebenskünstler, an dem sich alle Mitglieder der Familie ausrichten, einer, den man sich lachend, jovial und zugewandt vorstellen muss, und an den alle auch die glücklichen Erinnerungen binden.
Der Filmemacher ist der jüngste Sohn, der den Vater kaum gekannt hat, der aber in all dem, was nicht ausgesprochen werden darf, in all seiner biografischen Abwesenheit zu einem imaginären Bezugs- und Mittelpunkt geworden ist. Und nun macht sich dieser Film daran, diese Geschichte zu erhellen. Durch Gespräche zwischen den Familienmitgliedern, durch Sichten der Dokumente, durch Zitate aus der Vergangenheit, durch äußere und innere Reisen. Das Verdrängte wird dabei im Wesen der Verdrängung deutlich, nicht nur in bestimmten Personen wie der ältesten Schwester, die das Andenken an den Vater auf besonders heftige Weise verteidigt und dabei auf besonders heftige Weise auch von den Mechanismen dieser erfundenen Erinnerung preisgibt. Es ist erschreckend, wie da immer wieder jene wunden Punkte berührt werden, an denen etwa eine verzweifelte Vaterliebe umkippen kann in eine fatale Nähe zur Täter-Ideologie, wo man, wie die Beteiligten, nicht recht weiß, ob man abbrechen oder weitermachen möchte. Malte Ludin überträgt diese Widersprüchlichkeit der Recherche direkt auf den Zuschauer. Seine Kamera ist ein Subjekt dieser Recherche, die keine didaktische Distanz kennt, aber sehr genau die Annäherung und ihre Grenzen wiedergibt. Auch die Begegnung mit den Opfern seines Vaters, zweifellos eines der Schlüsselelemente des Films, verläuft nicht nach den formalisierten Riten; Erkenntnis und Versöhnung sind so einfach nicht zu sortieren.

Share

Post a Comment

Your email is never shared. Required fields are marked *

*
*