Von Peter Koj
Portugal ist ein Land, das emotional herausfordert. Entweder kann man mit ihm gar nichts anfangen oder man verfällt ihm emotional, ist vom so genannten bacillus lusitanus befallen. Einige aus dieser eher kleinen Gruppe treibt Portugal so sehr um, dass sie zur Feder bzw. in die Tasten des PC greifen. Das Ergebnis ist keine hohe Literatur und will es auch nicht sein, sondern gut lesbare, zum Teil anrührende Lektüre, die den Portugal-Fan in seiner Lusophilie bestärkt und ihm zusätzliche Informationen über das Land seiner Liebe bringt.
Pionierin ist Barbara Seuffert mit ihrem 1991 im J. F. Steinkopf Verlag erschienenen Erstling Meine blauen Träume. Im Nachwort erfahren wir, dass die Autorin sich nach einer Krebsoperation und anschließender Chemotherapie den Traum Portugal erfüllt hat. Sie zog damals mit ihrer gesamten Familie nach Caragossa (Bairrada), wo sie übrigens auch unsere Jakobswanderin Katharina Høgsberg besuchte (Portugal-Post 39, S.29). Der blaue Traum Portugal hat offensichtlich die Krebsgefahr gebannt, und es ist eine ganze Reihe von Büchern entstanden, in denen sich ihre portugiesischen Erfahrungen niederschlagen, darunter das sehr lesenswerte, vom Hamburger Heinz Grasmück herausgegebene Diário Efémero. Portugiesisches Tagebuch (luazul Verlag, Güstrow 2002). Hier wird der Leser hautnah in das ländliche Portugal eingeführt und findet Informationen, die kein Reiseführer bieten kann. Es ist, wie ich das in einer Rezension von Meine blauen Träume, erschienen im Portugal-Magazin 1/1996 der Deutsch-Portugiesischen Gesellschaft, einmal genannt habe, “ein Reiseführer in das Innere Portugals”. Auch ihr neustes Buch, Eine portugiesische Hochzeit und viele Zutaten, führt in dasselbe Milieu. Es geht um die Hochzeit der Tochter ihrer Nachbarin Maria und was alles dazu gehört. Barbara Fellgiebel (ALFA) schrieb dazu: “Man nehme: Ein nordportugiesisches Dorf, eine welterfahrene Schriftstellerin, ihre portugiesische Nachbarin und deren Tochter, die in den heiligen Stand der Ehe treten will. Die minutiös geplanten, fast ein Jahr währenden Hochzeitsvorbereitungen sind für deutsche Leserinnen amüsant, erstaunlich und kaum nachvollziehbar. Jahrhundertealte Traditionen, kulinarische Köstlichkeiten (mit Rezepten) und haarsträubende Erlebnisse bilden ein Kulturerlebnis der besonderen portugiesischen Art. Welch ein Lesegenuss!” Dem lässt sich eigentlich nicht viel hinzufügen, außer dass die portugiesischen Begriffe und Namen erfreulicherweise durchweg richtig geschrieben wurden, dafür aber beim Umbruch die Silbentrennung des offensichtlich nicht als Fließtext eingereichten Manuskripts auch dann beibehalten wurde, wenn die getrennten Wörter mitten im Text auftauchen, was gelegentlich ganz schön nervt. Trotzdem: Für wen Portugal nicht nur Lissabon oder der Algarve ist, eine reizvolle Lektüre. Das Buch kann per Internet direkt beim Verlag (www.luazul.com) bestellt werden und kostet EUR 8,50.
Barbara Seuffert ist auch in zwei Erzählbänden vertreten, die wir der Initiative von Barbara Fellgiebel verdanken: Rote Schuhe und Schwarze Büstenhalter. Unsere Leser kennen Barbara Fellgiebel von der letzten Portugal-Post, wo sie die von ihr begründete Assoziation der Literatur- und Filmfreude der Algarve (ALFA) vorstellt und auch gleich den schönen Artikel Sauerkraut in Aljezur beisteuert. Im Rahmen der ALFA-Aktivitäten ist es der rührigen Publizistin gelungen, einen großen Kreis von an Kultur interessierten Urlaubern und Residenten um sich zu scharen, die nicht nur “passiv” an den allmonatlichen Veranstaltungen im Convento de São José (Lagoa) teilnehmen, sondern nun auch in zwei Wettbewerben schriftstellerisch und bildnerisch aktiv geworden sind.
Der erste ALFA-Wettbewerb hatte zum Thema Rote Schuhe. Auslöser für dieses Thema war die Kurzgeschichte Mister Minit von Barbara Fellgiebel, die eine wahre Lawine von weiteren Beiträgen auslöste. Es musste also eine Jury her, um eine Auswahl für das Gewinnerbuch zu treffen, das im September 2006 erschien. Der zweite Band Mehr Rote Schuhe folgte bald darauf im Januar 2007. Gleichzeitig trafen schon die Beiträge für den 2. ALFA-Wettbewerb Schwarze Büstenhalter ein. Sie liegen seit September dieses Jahres schon wieder in Buchform vor. Und im Oktober wurde bereits das Thema für den 3. ALFA-Wettberb verkündet: Blauer Garten. Rasant! Rasant!
Sollten die erotischen Titel bei Ihnen voyeuristische Instinkte wecken, so muss ich Sie leider enttäuschen. Alle drei Bände überraschen durch die Vielfalt der Ideen und der zum Teil hohen literarischen Qualität ihrer Beiträge. Zudem: Das Thema Schwarze Büstenhalter stammt von niemand geringerem als Barbara Seuffert. Ihre Erzählung Was mich berührt, die den Büstenhalter-Band eröffnet, gibt dem Thema von vornherein eine tiefere Dimension. Wettbewerbssiegerin ist Evelyn Hagen mit ihrem Gedicht Lieb und teuer, das aus 12 Vierzeilern besteht, die in kunstvoll umschlingenden Reimen gefasst sind.
Auch die Abbildungen der eingereichten Zeichnungen und Fotos können mit dem Niveau der Wortbeiträge mithalten. Insgesamt eine sehr vergnügliche und unterhaltsame Angelegenheit. Man kann Barbara Fellgiebel nur zu ihrer Initiative gratulieren, dass es ihr gelungen ist so viele deutsche Algarvebesucher und -bewohner zu etwas zu bringen, wovon so mancher Deutschlehrer nur träumen kann, der seine Schüler zu kreativem Schreiben anregen möchte. Der Erwerb der ca. 240-250 Seiten umfassenden, professionell gestalteten Bändchen lohnt sich allemal. Sie sind zum Preis von EUR 13,90 bei ALFA zu beziehen.
Hier die Adresse:
ALFA,
Apartado 376,
8504-913 Portimão
Portugal.


